24.02.2015

von Christine Heinrich LP

Sound der Sehnsucht

Auf Stadt Land Fluss, dem fünften Studioalbum in acht Jahren, verarbeitet die bayerische Songschreiberin Claudia Koreck das Thema ihres Lebens: Die Hin- und Hergerissenheit zwischen Stadt und Land.


Sound der Sehnsucht - Claudia Koreck vertont auf "Stadt Land Fluss" das Thema ihres Lebens

27.02.2015    Roth Kulturfabrik 20 Uhr

Von Traunstein in die weite Welt - und wieder zurück: Auf "Stadt Land Fluss", dem fünften Studioalbum in acht Jahren, verarbeitet die bayerische Songschreiberin Claudia Koreck das Thema ihres Lebens: Die Hin- und Hergerissenheit zwischen Stadt und Land, fern und nah, pulsierend und ruhig zieht sich konsequent durch das soulige Folk- und Blues-Rock-Album, das auf Honu Lani Records/Universal Music erscheint (VÖ: 27.2.) und mitunter in New York gemischt wurde.

Womöglich ist es Claudia Korecks konsequenteste Arbeit, zumindest konzeptionell, denn zum ersten Mal gibt es eine thematische Klammer. "Auf jeden Fall ist das meine ungewöhnlichste Platte", legt sie sich fest. „Ich habe das Album „Stadt Land Fluss“ geschrieben, als wir uns vor der Geburt meines zweiten Kindes dazu entschieden hatten, aus München wieder zurück in meine alte Heimat ins Chiemgau zu ziehen. Das fühlte sich für mich erst einmal als gewaltiger Rückschritt an, hatte ich doch nach der Schule meiner Heimat den Rücken zugekehrt und mich in das aufregende und inspirierende Großstadtleben verliebt. Aber die Sehnsucht nach dem ruhigeren, naturverbundenen Landleben hat mich immer wieder eingeholt.“
Aufgenommen wurde „Stadt Land Fluss“ dann eben auch in der Stadt und auf dem Land: mit den besten Musikern der Stadt im geschichtsträchtigen Münchner Downtown Studio, das noch immer die zweite Heimat von Claudia und Gunnar ist, aber auch im Chiemgau, im zum Studio umfunktionierten Keller unseres Hauses auf dem Land. Gemischt wurde das Album dann sogar in New York (!) im Waterfrontstudio von Henry Hirsch, der vor allem bei Lenny Kravitz für seinen speziellen Sound verantwortlich ist.
In der Stadt wurden die eher urbanen Stücke sessionartig mit Band eingespielt ("Stadt Land Fluss", "Barcelona"), auf dem Land die ruhigeren Lieder ("In da Wiesn", "Sonn aufgeht"). Das Ergebnis ist eine vielschichtige und homogene Mischung aus mal treibenden und aufwendig arrangierten Soul-Rock-Stücken, Blues-Nummern ("Oide Frau") sowie funklastigen und gefühlvollen Sehnsuchtsmelodien ("Unbekanntes Land", "Nummer 13"). Mit "Sleep Little Darling" ist, zum ersten Mal überhaupt, ein Stück von Gunnar Graewert auf einem Koreck-Album zu hören: Der zärtliche-verspielte Song ist ein der kurz zuvor geboren Tochter gewidmetes Schlaflied, in dem sich auch ihr gemeinsamer Sohn Timmi verewigt hat.
Ein gesellschaftspolitisches Statement ist indes in "Sonn aufgeht" zu entdecken, in dem die Songschreiberin die jüngsten Flüchtlingsdramen verarbeitet - und dem titelprägenden Begriff "Land" eine weitere Facette abringt. "Grenzen und Egoismus verstehe ich nicht", sagt Claudia Koreck.
Für überraschende Momente sorgen auch internationale Klänge und Instrumente, die Korecks Sehnsucht nach der Ferne bekräftigen. In der friedvoll-filigranen Hommage "Greece" singt sie stellenweise auf Griechisch; in "Lila Lem" experimentiert sie mit arabischen Skalen, zu hören sind exotisch klingende Instrumente wie Banjolin, Cajon und Hackbrett, und am Ende bereichern Stimmen aus Kamerun und Guinea das Soundgewand. Hawaii, München, Traunstein - all das ist Claudia Koreck. Stadt und Land, alles im Fluss.  

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