29.09.2009

von Jürgen Leykamm / LW

Hopfenbegehung

Die Spalter Hopfenbauern haben allen Grund zur Freude: mit Schädlingen gibt es in diesem Jahr kaum Probleme.


Gute Ernte ist in Sichtweite - Spalter Hopfenbauern blieben bislang vor Wetterkapriolen verschont

Die Spalter Hopfenbauern haben eigentlich allen Grund zur Freude: mit Schädlingen gibt es in diesem Jahr kaum Probleme und die enormen Umwälzungen in der globalen Brauereiwirtschaft haben sich hierzulande wenig ausgewirkt. Zudem steht aller Voraussicht nach eine gute Ernte bevor. Falls nicht der Hagel, der in der Hallertau bereits wütete, alle Träume zunichte macht. So prägte eher verhaltener Optimismus die diesjährige Spalter Hopfenbegehung.

Seit über 80 Jahren (so ist es amtlich belegt, die Tradition selbst reicht wohl noch um einiges weiter zurück) treffen sich die Hopfenbauern aus dem Spalter Anbaugebiet jeweils am Freitag vor der Anna-Kirchweih zum fachlichen Austausch, während sie durch die Gärten mit dem dort prangenden grünen Gold wandern. Die Anlagen machten dieses Mal eigentlich einen recht guten Eindruck, doch spukten in den Hirnen der Landwirte während der diesjährigen Begehung auch ganz andere, äußerst unangenehme Bilder. Nämlich die von Unwetter „Felix“, das Ende Mai durch das Anbaugebiet der Hallertauer Kollegen fegte und dort verheerende Schäden anrichtete. 4.000 Hektar Anbaufläche waren betroffen – auf 1.200 Hektar davon „ist heuer keine Ernte mehr möglich“, verdeutlichte an der Hopfenbegehung Spalt Hans Schätzl von der Hopfenberatung Wolnzach. Die Zahlen wirken umso bedrohlicher, wenn man sich die Gesamtgröße des Spalter Anbaugebiets vor Augen führt, das gerade einmal 361 Hektar misst. Die dreifache Fläche davon hat „Felix“ in der Hallertau für die Ernte unbrauchbar gemacht. Der Schock für die Pflanzer sitzt tief. Man ist zwar in Spalt bislang verschont geblieben, doch „der Hagel kann noch kommen“, raunten sich die rund 40 Bauern bei der Begehung zu. Und auch ein zweiter großer Feind, eine zu große Sommerhitze, kann noch gefährlich werden. Den insgesamt knapp 80 Hopfenbauern im Spalter Anbaugebiet (das übrigens bis nach Kinding reicht) bleibt nichts anderes, als ihren eigenen Teil für eine gute Ernte beizutragen. Dass sie dies tun, bestätigte ihnen Schätzl gerne: „Die Gärten sind sehr gut gepflegt“, lobte er. Dies schütze wiederum vor Schädlingen, führte er weiter aus. Doch die unliebsamen Zeitgenossen halten sich heuer ohnehin zurück. Die sonst so gefürchtete rote Spinne kam mit dem vielen Niederschlägen nicht zurecht, mit Mehltau gibt es wenig Probleme. Und auch den Perenospora-Pilz hat man gut im Griff. Hier ist allerdings auch Solidarität gefragt, da die Sporen jenes Pilzes sich bis zu drei Kilometer ausbreiten können. Lediglich beim Blattlausbefall „könnte es problematisch werden“, erklärte Schätzl. In der Summe aber zeigte man sich an der Hopfenbegehung mit der Situation zufrieden. Und dass Horrorszenarien nicht immer wahr werden müssen, zeigt auch ein Blick in die jüngste Vergangenheit. Als vor einem Jahr mit der Übernahme von Anheuser-Busch durch InBev ein globaler Brauerei-Riese den anderen schluckte, befürchteten viele Landwirte wirtschaftliche Beeinträchtigungen auch im Spalter Land. In der Tat bot InBev vielen hiesigen Hopfenbauern auch an, von ihren Verträgen gegen Abstandzahlungen zurückzutreten. Doch die Landwirte gingen nur in marginalem Maße darauf ein - „wir haben den Ball flach gehalten“, zeigte sich Johann Meyer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth erleichtert. Die Landwirte wussten: Wer einmal von einem Vertrag (in dem Fall bezüglich der Sorte „Hallertauer“) zurückgetreten ist, hat keine Gewähr, mit einer anderen Sorte auch wieder einen neuen Vertrag zu bekommen, so dass letztlich eine Verknappung der Anbaufläche die Folge ist. Bislang aber hat man „den Mächten der Weltwirtschaft getrotzt“, zeigte sich auch Spalts Bürgermeister Udo Weingart (zugleich Chef der Stadtbrauerei) gemeinsam mit dem Spalter Hopfenfachwart Josef Zeiner erfreut. Und allen Unkenrufen zum Trotz wagte Ludwig Hörmannsperger, Geschäftsführer des Hopfenrings Hallertau, auch eine langfristig zuversichtliche Prognose: „Auch in 100 Jahren wird hier noch Hopfen angebaut werden“. Alles rund um die derzeitige Anbau-Praxis zeigt hingegen ein neuer Schaukasten am  Museumshopfengarten der Stadt Spalt, den Hopfengartenführer Georg Werzinger an der Begehung präsentieren konnte.

Passend zum Thema

Leider kein passender Artikel gefunden.
Weitere Artikel finden Sie hier.

Haben Sie einen Artikel, der hierher passen würde? Bitte informieren Sie unsere Redaktion, vielen Dank!

Mehr aus der Rubrik

Leider kein passender Artikel gefunden.
Weitere Artikel finden Sie hier.

Haben Sie einen Artikel, der hierher passen würde? Bitte informieren Sie unsere Redaktion, vielen Dank!
Teilen: