Rund um den Marktplatz in Wolframs-Eschenbach

Foto: Natascha Meier

Nach Rückschlägen durch die Reformation reifte beim Deutschen Orden die Idee heran, das Zentrum der Stadt repräsentativ zu erneuern. Im Geist der Renaissance rückte man neben das Gotteshaus das Zeichen weltlicher Macht. Wie schon erwähnt, wurde noch vor 1600 die neue Vogtei errichtet, parallel dazu schob man um 1596/97 in den Kirchhof hinein die neue Zehntscheune. Wiederum davor wuchs 1623 das Deutschordensschloss empor, das den obersten Ordensherren in Franken bei Besuchen in der Stadt als Quartier diente. Die Schauseite des Schlosses gehört zu den Meisterwerken der Renaissancebaukunst in Franken.
Gleich einem Zitat von mittelalterlichen Burgtürmen und Ritterlichkeit, springen ab dem zweiten Geschoss links und rechts kantige Erkertürme mit Zwiebelhauben hervor; im Gegenzug laufen mehrere waagerechte Gesimse quer über die Front, während oben ein geschwungener Giebel thront. Die Balance aus vertikalen und horizontalen Elementen, der Wechsel von rechtwinkeligen und geschwungenen Formen, das Gleichgewicht von Strenge und Lässigkeit: all das sorgt für Eleganz und einen Hauch von Romantik. In der Mitte des dritten Geschosses erkennt man das Prunkwappen des Hoch- und Deutschmeisters, des Erzherzogs Karl von Österreich. Darunter sieht man links das Wappen des fränkischen Landkomturs Johann Eustach von Westernach, rechts das des Nürnberger Hauskomturs Caspar Moritz von Thürheim. Die beiden Letzteren waren die eigentlichen Bauherren und stellten die finanziellen Mittel zur Verfügung.
Ab 1859 nutzte man das Schloss als Rathaus. 1999/2001 wurden Schloss wie Zehntscheune noch einmal als Bürger- und Rathaus um- und ausgebaut. Im  Seitenflügel des Schlosses entstand im Erdgeschoss ein helles Foyer mit Rundbogenöffnungen. Im Innenhof lagerte man dem Seitenflügel ein modernes Treppenhaus vor. Jetzt verbinden sich dicke historische Mauern mit luftigen Glaswänden und verknüpfen reizvoll unterschiedliche Epochen. Der neue Bürgersaal mit Galerie in der Zehntscheune bietet Platz für Versammlungen, Vorträge, Ausstellungen und Konzerte. Darüber befindet sich der Ratssaal.

Schon 1451 war unter dem fränkischen Landkomtur Ulrich von Lentersheim ein erstes Rathaus am Marktplatz errichtet worden. Es gab von da an auch Bürgermeister und Räte, die neben dem Vogt städtische Verwaltungsaufgaben übernahmen. Nach Verschleiß durch den Dreißigjährigen Krieg ordnete der fränkische Landkomtur Johann Wilhelm von Zocha 1684/85 einen Neubau des Alten Rathauses an. Es ragt als dreigeschossiger, barocker Fachwerkbau auf und geht wie ein großes, hohes Schiff am Marktplatz frei vor Anker. Im Erdgeschoss befand sich ehemals eine Markthalle für Bäcker, Metzger und Krämer. Das zweite Geschoss umschloss eine dreischiffige Halle für Versammlungen, öffentlichen Tanz und Geschäfte. Im dritten Geschoss richtete man den Ratssaal und das Archiv der Stadt ein. Zwischen Schloss und Altem Rathaus weist der Kirchturm wie ein Zeigefinger zum Himmel. Er bildet den ruhenden Pol der Stadt und erweitert die Dimensionen. Überlegt fasste man um die Kirche herum Bauten zu einer monumentalen Gruppe zusammen, die das Selbstgefühl des Deutschen Ordens und den Stolz der Bürger zum Ausdruck brachten.

Das Hohe Haus, das in exponierter Lage die Westseite des Marktplatzes beherrscht, markiert womöglich jene Stelle, wo sich einst ein Ansitz des Geschlechts von Eschenbach befand. In seiner jetzigen Form wurde es zunächst 1439/40 als dreigeschossiges Fachwerkhaus errichtet und dann im 17. Jahrhundert um ein Geschoss verkleinert. 1861 stiftete der bayerische König Maximilian II. auf dem Marktplatz ein Wolfram-Denkmal. Der Entwurf für den gestuften Sockel und den umrahmenden Brunnen stammt von Eduard von Riedel, der ein paar Jahre später auch die Pläne für Schloss Neuschwanstein lieferte. Das Standbild, das Wolfram durch Schwert, Harfe und Lorbeerkranz als Ritter, Sänger und Dichter darstellt, modellierte Konrad Knoll. Es präsentiert sich ein apartes Beispiel spätklassizistischer Denkmal-Kunst.

Flair der Deutschordensstadt
Die mittelalterliche Stadt war allgemein eine originelle Schöpfung. Gegenüber der antiken Stadt gab es keine Sklaverei, vielmehr lebten und arbeiteten verschiedene Berufsstände einigermaßen gleichberechtigt nebeneinander: Ordensleute, Priester, Ritter, Händler, Handwerker und Bauern. Auch wenn die Brüder des Deutschen Ordens in Eschenbach das Monopol der Macht in der Hand hielten, so wurden doch die Bürger an der Verwaltung beteiligt, um ein funktionstüchtiges regionales Zentrum entstehen zu lassen. Klug wurden die Räume von Hauptstraße, Marktplatz und Kirchhof miteinander verflochten. Die Stärke der einzelnen Bauten erwächst aus der Beziehung, in der sie zueinander stehen. Wer sich ganz von den Eindrücken leiten lässt, spürt etwas
von geheimen Bewegungskräften.

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