Die Prachtstraße in Wolframs-Eschenbach

Nach einem Stadtbrand um 1410 verwandelte man die Hauptstraße in eine Prachtstraße. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein spannungsreiches Mit- und Gegeneinander von hoher Kirchturmfassade und geschwungener Straßenanlage. Nach dem Durchschreiten des Oberen Torturms wird der Besucher wie von einem Zauberstab nach vorne gelockt. Mit jedem Schritt schieben sich andere Häuser in den Vordergrund, bieten sich neue Perspektiven dar. Im kraftvollen Rhythmus staffeln sich rechter Hand zuerst drei mächtige Giebelhäuser mit reichem Fachwerk. Dem Kocherhaus von 1686 folgt das Lammswirtshaus von 1410.
An diesem lässt sich der mittelalterliche Charakter des Fachwerkgerüsts in Säulenbauweise noch gut ablesen. An der benachbarten Stadtschmiede, die ebenfalls 1410 errichtet wurde, zeigt sich schon die neuere Technik der Stockwerksbauweise.
Auch das Traubenwirtshaus und das Lexlhaus gehören im Kern derselben Periode an. Die dreischiffigen Häuser aus der Zeit um 1410 waren im originalen Zustand gut strukturierte, komfortable Gebäude, die auch nach außen hin ein städtisches Gepräge vermittelten. Öffentliche und private Bereiche  verschränkten sich unter einem Dach und waren doch geschickt voneinander getrennt. Das Erdgeschoss wurde jeweils von einer mittigen Toreinfahrt erschlossen und diente dem Gewerbe und der Landwirtschaft. Es war Platz für eine Gaststube oder Schmiede, eine Backstube oder Wurstküche, einen Braukessel oder einen Stall. Brot und Fleisch durften allerdings nicht im Haus selbst verkauft werden, vielmehr mussten Bäcker, Metzger und Krämer ihre Waren spätestens ab 1451 in der Markthalle im Rathaus feilbieten, damit die Stadt die Güte der Lebensmittel besser kontrollieren konnte. Der Wohnbereich der Häuser befand sich im ersten Stock, wo die Bohlenstube mit Hilfe eines Kachelofens beheizt wurde, dahinter folgten Küche und Kammern.

Wie als Kontrapunkt gegenüber diesen wuchtigen Ackerbürger- und Handwerkerhäusern errichtete man in der Renaissance vor der Silhouette des Kirchturms elegante, herrschaftliche Gebäude. 1609 wurde die ehemalige Fürstenherberge erbaut. Die breite, fünfachsige Traufseite, das hohe Satteldach, der geschwungene östliche Giebel und der feine grafische Sgraffitoputz verleihen dem Haus südländische Grandezza. Der Giebel des Nebengebäudes von 1623, später Benefiziatenhaus, führt mit dem über Eck gestellten Giebel der Fürstenherberge ein stimulierendes Zwiegespräch. Daneben entstand Ende des 16. Jahrhunderts der Neubau der Vogtei, heute der Gasthof »Alte Vogtei«.
Die Giebelseite präsentiert ein ausgewogenes, symmetrisches Fachwerkgerüst. Um 1610/17 blendete man das eigentliche Prunkstück vor: das Portal aus Sandstein. Es stellen sich verspielte, edle Formen zur Schau: Säulen und Wappen, ein flacher Bogen, ein waagerechter Stab mit Perlenschnur, darüber ein ovales Fenster und der bekrönende dreieckige Giebel. Im Haus befanden sich die Amtsstuben des Vogtes, der im Auftrag des Deutschen Ordens die Stadt verwaltete, dazu ein herrschaftliches Tafelzimmer, das im 18. Jahrhundert ins Erdgeschoss rechts neben dem Hauseingang verlegt wurde, wo die heitere barocke Stuckdecke bis heute erhalten blieb. Eschenbach erlebte vom 12. bis zum 18. Jahrhundert an der Fernhandelsstraße zwischen Nürnberg und Straßburg als Etappe der fahrenden Kaufleute einen bedeutenden Aufschwung. Von 1340 bis 1578 war die Ordensstadt der Sitz eines großen Dekanates, während sich zur selben Zeit das Marktgeschehen und die Gastronomie entfalteten. Herbergswirte, Brauwirt, Schankwirte, Metzger und Bäcker machten gute Geschäfte. Die Stadt wuchs zu einem der größten Orte zwischen Nürnberg und Dinkelsbühl heran. Um 1500 hatte Ansbach 451 Haushalte, Eschenbach 227, Gunzenhausen 217, Windsbach  122, Merkendorf 68.

Teilen: