Liebfrauenmünster in Wolframs-Eschenbach

Bereits für das Jahr 1236 ist ein Haus des Deutschen Ordens in Eschenbach nachweisbar. 1253 traten erstmals ein Komtur und sechs weitere Brüder der örtlichen Kommende urkundlich in Erscheinung. Sie waren in dieser Zeit damit beschäftigt, eine neue große Ordens- und Pfarrkirche zu errichten, die sich
mit starker Körperlichkeit emporheben sollte. Die drei unteren spätromanischen Geschosse des Turmes gehören der Zeit um 1250/60 an und verweisen auf
die Bauhütte von St. Sebald in Nürnberg. Der frühgotische Chor, der um 1260/70 erstellt wurde, gibt mit geradem Abschluss und kraftvoller, rhythmischer Einwölbung die elitäre Kunst der Zisterzienser zu erkennen; spürbar ist die gewisse Abhängigkeit vom Refektorium des Klosters in Heilsbronn. Im Langhaus, das der Zeit zwischen 1270 bis 1310 zuzuordnen ist, macht sich wiederum die volkstümliche Bauweise der Bettelorden bemerkbar; ähnlich wie bei der Franziskanerkirche in Würzburg handelt es sich bereits um einen Hallenraum, aber erst hier, im Eschenbacher Münster, wird nun der weiträumige,  einheitliche Charakter der Hallenkirche betont. Es entstand ein bedeutendes Zeugnis frühgotischer Baukunst in Franken. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der Turm um zwei spätgotische Geschosse erhöht und mit 63 Metern zum höchsten Kirchturm in der Diözese Eichstätt ausgebaut. 1956 erhielt er die heutige farbige Eindeckung. Das wertvollste Ausstattungsstück, der Rosenkranzalter, stammt aus der Zeit um 1510/20 und wurde im Umkreis des Veit Stoß gefertigt. Er wirkt edel durch reichliche Gold- und Silberfarbe und markiert den Übergang von einer Epoche zur anderen. Die bewegte Volksfrömmigkeit des späten Mittelalters, die sich durch die vielen Heiligen ausdrückt, vermischt sich teilweise schon mit dem ruhigen Formgefühl der Renaissance, indem die vielen Figuren symmetrisch angeordnet und vom vollendeten Kreis des Rosenkranzes umfasst sind. Die Heiligen erscheinen wie Spiegelbilder der Lebenden und vermenschlichen den „Himmlischen Hof”.

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