Schloss Ratibor in Roth

Quelle: Stadt Roth

Das Schloss Ratibor ist eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt Roth. Es befindet sich zentral im Stadtkern am südlichen Ende der Rother Hauptstraße. Es handelt sich hierbei um ein mittelgroßes Jagdschloss, das als reines „Lustschloss“ erbaut wurde. Die Gegend um Roth mit ihren Flussläufen und ausgedehnten Waldgebieten war in der Zeit der Erbauung als sehr wildreiches Gebiet bekannt und geschätzt. Nichts lag deshalb näher, als hier ein herrschaftliches Domizil zu schaffen, um der Jagd zu frönen. Es war zum Aufenthalt für den Markgrafen bestimmt, der jährlich zur Zeit der Hirschjagd für einige Tage nach Roth kam.

Erbaut wurde das Schloss von Markgraf Georg dem Frommen zu Brandenburg-Ansbach (04.03.1484-27.12.1543) in der Zeit von 1535 bis 1537. Das Schloss wurde im Stil der deutschen Frührenaissance erbaut, weist aber auch noch einige spätgotische Stilelemente auf. Etwas eigenartig klingt für den Besucher der Name, da es sich bei Ratibor um eine oberschlesische Stadt im heutigen Polen handelt. Dies rührt daher, dass das Schloss hauptsächlich durch Einnahmen aus dem Bergwerksbau der schlesischen Besitzungen Oppeln und Ratibor finanziert wurde. Markgraf Georg der Fromme hatte sich im Jahre 1506 an den Hof des ungarischen Königs Wladislaus – einem Bruder seiner Mutter – begeben. Dort errichtete er mit den Herzogen Johann von Oppeln und Valentin von Ratibor eine Erbverbrüderung. In dieser wurde festgelegt, dass der überlebende Teil in die Erbfolge eintritt, wenn ein anderer ohne eigene Nachkommen stirbt. Da beide Herzoge keine Nachkommen hinterließen, erbte Markgraf Georg die Besitztümer. Hieraus leitet sich auch die Benennung „Schloss Ratibor an der Retzet“ (der frühere Name für die Rednitz) ab.

Das Schloss ist nahezu quadratisch angeordnet. Der Hauptflügel (Pallas) aus drei Stockwerken. Im obersten Stockwerk (hier ist heute das Heimatmuseum untergebracht) befanden sich drei heizbare und drei nicht heizbare Zimmer und diente dem Fürsten als Wohnung. Das zweite Stockwerk besteht aus einem durchgängigen großen Speisesaal (später erfolgte eine Aufteilung in einen Speisesaal und den so genannten Prunksaal). Im Erdgeschoß befanden sich verschiedene Räume und eine Schlosskapelle. Im Südflügel befanden sich verschiedene Räumlichkeiten und Küchen. In diesem Bereich war in späteren Jahren auch der Oberamtmann von Roth untergebracht, der die Verwaltungsgeschäfte erledigte. Der nördliche Teil war in früheren Zeiten genauso hoch wie der südliche Teil. Hier war der Marstall untergebracht. Im Marstall befand sich eine Stube und eine Küche für das Gesinde, sowie Stellplätze für 52 Pferde. An der Ostseite war das Schloss zur Hauptstraße hin durch ein zweigeschossiges Gebäude abgeteilt, in dem sich ein Tor befand. Ein zweites Tor ist an der Südseite. Zum Schloss gehören noch drei Türme, der Torturm auf der Ostseite, der Kaiserturm auf der Südseite und der Altanenturm auf der Westseite.

Im Jahre 1791 dankte der letzte Markgraf von Brandenburg-Ansbach ab. Jetzt erwarb der Fabrikant Johann Philipp Stieber das Gebäude und nutzte es zur Unterbringung einer Fabrik für Leonische Waren. Roth war lange Jahre für die Herstellung von Leonischen Waren und Christbaumschmuck als die industriereichste Kleinstadt Bayerns bekannt. Die Kunstfertigkeit der Herstellung rührt auf das Rother Schutz- und Trutzrecht zurück. Hier wurde ein Flüchtiger aufgenommen, der aus Lyon stammte, und die Herstellung dieser Güter beherrschte. In den Jahren von 1858 bis 1892 war das Landgericht in einem Flügel des Schlosses zusätzlich untergebracht.

Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde das Schloss umgebaut und im Inneren verändert. Wilhelm von Stieber, der die Finanzierung übernahm, wollte eine neue Epoche im Schloss aufleben lassen und ließ es deshalb im Stil der Spätrenaissance umgestalten. Namhafte Künstler wie Ferdinand Wagner, Rudolf von Seitz, Friedrich Wanderer und Conradin Walther übernahmen die Arbeiten und gestalteten den Prunksaal mit Deckenmalereien aus der antiken Mythologie, sowie Gobelins mit Szenen aus der Odyssee um.

Im Jahr 1942 wurde das Schloss der Stadt Roth von den Nachfahren der Familie Stieber geschenkt. Es wird seitdem vielfältig genutzt. Im ehemaligen Marstall befinden sich Stadtbücherei, Stadtarchiv, Sitzungsraum des Rother Stadtrats und die Fraktionszimmer der Stadtratsfraktionen. Im zweiten Stock befindet sich das Stadt- oder Heimatmuseum. Im Erdgeschoß des Hauptflügels befand sich lange Jahre ein Restaurant. Dieses ist jedoch derzeit nicht genutzt und man überlegt, wie künftig mit diesen Räumlichkeiten verfahren wird. In einem Teil des Erdgeschosses auf der Straßenseite befindet sich die städtische Touristeninformation und im ersten Stockwerk dieses Gebäudeteils eine heute noch genutzte Wohnung.

Der idyllische Schlosshof wird für Konzerte und die alljährlichen Aufführungen der Rother Schlosshofspiele genutzt.

In den letzten Jahren wurden Fassade, Teile der Innenräume und das Dach generalsaniert.

Schloss Ratibor mit Stadtmuseum
Hauptstraße 1, 91154 Roth
Telefon: 09171/848-532
Fax: 09171/848-519

Öffnungszeiten:
April bis Ende Oktober
Di - So von 13 - 17 Uhr

Führungen für Gruppen, auch außerhalb der Öffnungszeiten, nach Vereinbarung:
Tourist-Information,
Telefon: 09171/848-513
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailtourismus@stadt-roth.de

regelmäßige Schlossführung:
Jeden 1. Samstag im Monat
Treffpunkt: 14 Uhr, Schlosshof

Kombi-Stadt-Schloss-Führung:

Von Juni bis September jeden Mittwoch
Treffpunkt: 14 Uhr, Schlosshof

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