Evangelische Stadtkirche in Roth

Zu welchem Zeitpunkt in Roth die erste Kirche erbaut wurde ist ungewiss. In alten Aufzeichnungen wird die Rother Kirche als 41. von 126 erwähnt, die Bischof Gundekar II. von Eichstätt zwischen 1057 und 1075 geweiht hat. Diesen Dokumenten ist jedoch nicht zu entnehmen, ob dieser Bau an die Stelle einer älteren, vielleicht hölzernen Kirche getreten ist. Auch ist die Annahme von Heimatforschern strittig, dass es sich bei dieser von Gundekar II. geweihten Kirche um die Vorgängerin der jetzigen Stadtkirche handelt, die 1511 erbaut wurde. Andere Meinungen gehen davon aus, dass die erste Kirche auf dem Willy-Supf-Platz stand.

Der Baumeister Endreß von Ansbach erbaute – offensichtlich unter Verwendung des alten Turmes – zwischen 1511 und 1513 eine gotische Kirche und erweiterte dabei wahrscheinlich eine romanische Kirche. Diese Annahme ergibt sich daraus, dass beim Abbruch nach dem Kirchturmbrand 1878 ein romanisches Rundbogenfenster entdeckt wurde. Die Erweiterungsmöglichkeiten waren sehr begrenzt, da um die Kirche herum der Friedhof angelegt war, der nicht zu sehr verkleinert werden durfte. In der damaligen Zeit wuchs die Bevölkerung von Roth stark, so dass bereits 1541 ein neuer Friedhof vor den Toren der Stadt angelegt werden musste. Auf diesem wurde im Jahr 1625 die Kreuzkirche errichtet.

Baumeister Endreß war beim Bau der St. Gumbertuskirche in Ansbach mit der Bauaufsichtsbehörde wegen des zu entrichtenden Lohnes in Streit geraten. Deshalb siedelte er kurzerhand nach Roth um, wo er bis zum Jahre 1512 tätig blieb. Dieser Tatsache verdankt Roth eine Kirche, die von ihrer Form her bis zum heutigen Tage uneingeschränkt Gefallen findet. Von 1732 bis 1738 baute der markgräfliche Baumeister David Steingruber die Stadtkirche in eine Saalkirche im ansbachschen Stil um, wobei an der Westseite einige Fenster und die Eingänge verändert, sowie die beiden Emporen eingezogen wurden. Der Chor wurde zugemauert und an der so entstandenen Ostwand wurden Altar, Kanzel und Orgel übereinander angeordnet. Diese Anordnung ist heute noch in vielen Kirchen der Umgebung zu finden.

1878 erlebte Roth die größte Brandkatastrophe seiner Geschichte. In einer Scheune, die in der Hauptstraße gelegen war entzündete sich ein Feuer, das auf die Kirche übergriff. Sowohl der Kirchturm als auch der Chorraum fielen dem Feuer zum Opfer. Der daraufhin erfolgte Umbau wurde mit einer Umgestaltung verbunden. Der Turm wurde auf der Seite neu aufgebaut. Im Untergeschoß wurde ein neugotischer Chor geschaffen. Kanzel und Altar mussten neu angeschafft werden. Bei diesen Baumaßnahmen wurde die Orgel auf die Westempore versetzt, wo sie heute noch steht. Der umfangreiche Wiederaufbau wurde erst im Jahre 1885 vollendet.
Bei einer Renovierung in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Empore verändert und ein Deckengemälde eingefügt, das jedoch ein halbes Jahrhundert später übertüncht wurde.

In den Jahren 1976 und 1977 fand eine große Innenrenovierung statt. Hierbei stieß man auf zahlreiche Grüfte, die jedoch wieder aufgefüllt wurden. Die erhaltenen Grabsteine aus der Zeit um 1600 wurden in die Chorwand eingefügt, die Epitaphien in der Empore angebracht. Im Zuge dieser Renovierungsarbeiten wurden die beiden äußeren Treppenaufgänge zu den Emporen abgebrochen.

Die Kirche bekam einen neuen Altar und einen Taufstein, sowie eine neue Orgel. In den darauf folgenden Jahren musste auch die Außenfassade erneuert werden, da der Sandstein im Laufe der Jahre sehr schadhaft geworden war. Neben dem Südeingang informiert eine Innschrift über den Abschluss der Bauarbeiten im Jahre 1985.

Die Außenfassade

Über der Seitentüre an der Nordseite steht die Inschrift „ Anno Domini – 1511 der Sonnenzirkel VIII“. Zur Zeit der Erbauung der Kirche wurde nach dem Kalender der Sonnenzyklus errechnet. Die Jahre wurden mit den Zahlen 1–28 bezeichnet. Ein Schaltjahr, das mit einem Montag begann war das erste Jahr des Sonnenzyklus. Das erste Jahr in diesem Sonnenzirkel müsste deshalb das Jahr 1503 gewesen sein.

Links vom südlichen Eingang befinden sich im Sandstein längliche und runde Vertiefungen. Hierbei handelt es sich um „Wetzrillen“ und „Bohrnäpfchen“. Diese weisen auf einen alten Brauch am Karfreitag hin. An diesem Tag wurden alle Lichter in der Kirche gelöscht. Am Karsamstag zog der Priester von der Sakristei aus um die Kirche. Hierbei war er mit einer großen Kerze, Strohbüschel, Feuerschwamm und Feuerstein ausgerüstet, um den Stein an der Kirche zu wetzen bis der Funken auf den Feuerschwamm übersprang. Mit diesem zündete er die Kerze an und trug diese in die Kirche, um dort die Kerzen und auch die Lichter, die von den Gläubigen mitgebracht worden waren zu entzünden.

Der Turm der Stadtkirche

Ursprünglich hatte der Turm der Stadtkirche ein anderes Aussehen. Nach den Aufzeichnungen in der Rother Pfarrchronik war er in typisch fränkischer Form von einer barocken Haube gekrönt, der im Jahre 1754 eine „Laterne“ aufgesetzt bekam. Bereits im Jahr 1721 war der Turm vom Gesims an achteckig aufgebaut worden. Nach dem Brand im Jahre 1878 wurde der neue Turmbau – so schreibt die „Fränkische Volkszeitung“ anlässlich der Wiedereinweihung der Stadtkirche am 22. August 1886 – „nach einem Entwurf des berühmten, leider allzu früh verstorbenen Architekten und Direktors der Nürnberger Kunstgewerbeschule, A. Gnauth, ausgeführt“. Der Turm hat eine stattliche Höhe von 55 Metern. Im Inneren führt zunächst eine steinerne Wendeltreppe in die untere Turmstube. Dort beginnt auf der gegenüberliegenden Seite eine Eisentreppe, die erst auf der Ebene der außen liegenden Galerie endet. Nach einigen Schritten betritt man nach 175 Stufen die Türmerwohnung, die aus drei Stuben besteht. Der Aufstieg in die Laterne, in der lange Jahre die kleinste Glocke hing ist nur über eine Bodenluke möglich.

Seit 1995 befinden sich die sechs Glocken der Stadtkirche in der Glockenstube. Damals war es erforderlich einen neuen Glockenstuhl einzubauen und Glocken und Läutwerk zu sanieren. Seitdem besteht der Glockenstuhl aus Holz und löste einen eisernen Glockenstuhl ab.

Vier der Glocken sind sehr alt. Sie stammen aus einem ehemaligen Fünfergeläut, wovon vier Glocken im Zweiten Weltkrieg abtransportiert wurden. Sie konnten jedoch wieder für die Stadtkirche gewonnen werden. Im Mai 1976 stiftete die Rother Industriellenfamilie Graff eine Glocke. Im Jahre 1982 komplettierte diese Familie das Geläut mit dem kleinen „Neun-Uhr-Glöcklein“, das bis zum heutigen Tage um 21 Uhr zum Nachtgebet ruft.

Zum Abschluss noch einige geschichtliche Fakten

Die Stadtkirche wurde ursprünglich als katholische Kirche erbaut. Markgraf Georg der Fromme zu Brandenburg Ansbach (1484-1543), der das Rother Schloss Ratibor in der Zeit von 1535 bis 1538 erbauen ließ war ein guter persönlicher Freund von Martin Luther. Nachdem Martin Luther seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 in Wittenberg anschlug und die Reformation ihren Lauf nahm ordnete Georg der Fromme an, dass in seinen Besitztümern der neue Staatsglaube evangelisch-lutherisch ist. Dies hatte zur Folge, dass in Roth keine Katholiken mehr waren und die Stadtkirche seit dieser Zeit eine evangelische Kirche ist. Erst im Jahre 1833 zogen zwei katholische Familien nach Roth. Die katholische Kirche wurde im Jahr 1898 eingeweiht.

In der Stadt Roth herrscht zwischen den beiden Pfarrgemeinden eine sehr lebendige und vorbildliche Ökumene. Im Jahre 2011 werden die beiden Pfarrgemeinden gemeinsam das Jubiläum der Stadtkirche feiern.

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