Das Benediktinerkloster in Markt Heidenheim

Das Benediktinerkloster in Markt Heidenheim bestand bis in die Zeit der Reformation. Nach dem Verzicht (der Resignation) des letzten Abtes Christoph im Jahre 1529, der sich verheiratete, ernannte der Markgraf von Ansbach noch einmal einen Titularabt, Balthasar Rösner. Aber auch dieser wurde der Unruhe innerhalb des Klosters nicht mehr Herr. Er trat 1536 von seinem Amte zurück. Ein Jahr später nahm der Markgraf Georg von Brandenburg-Ansbach Besitz von Kloster, Kirche und Liegenschaften. Fünf Mönche waren zuletzt noch im Kloster, davon verbrachte einer seinen Lebensabend weiter im Kloster bis zu seinem Tode 1551. Die vier übrigen Mönche traten zum evangelischen Glauben über und wurden lutherische Pfarrer im Hahnenkamm.

Die Klosterkirche wurde bereits 1552 an die evangelisch-lutherische Gemeinde Heidenheim übergeben. Heidenheim war evangelisch geworden. Schon seit 1534 wurde hier durch den vom Markgrafen und der Gemeinde berufenen Magister Johannes Pierbreu lutherisch gepredigt.

Bis zum Jahre 1806 war Heidenheim Klosteramt. in den Jahren 1721-1725 fand ein Umbau des Klosters zum markgräflichen Verwaltungszentrum statt. Die letzten großen Renovierungsarbeiten geschahen 1952, anlässlich der 1200-Jahrfeier der Gründung.

Im Inneren des Münsters befindet sich eine Reihe von kunstgeschichtlich wertvollen Denkmälern.

1. Epitaph (Grabtafel) des Abtes Albert
Wir sind durch das Südportal gekommen und stehen vor der Grabtafel eines der bedeutendsten der Heidenheimer Äbte: Albertus Pflant (Gest. 1428). Ihm war 1415 auf dem Konzil zu Konstanz das Recht zum Tragen der Mithra verliehen worden.
   
2. Tumba (Gruft-Denkmal) der Walburgis   
Nun gehen wir in östlicher Richtung den Mittelgang entlang und stehen vor dem Grabmal der Äbtissin Walburga von Heidenheim. In der linken Hand hält sie die Benediktinerordens-Regel und ein Ölkrüglein, in der Rechten ein Zepter. Über ihrem Haupte tragen zwei Engel eine Krone. An der Südseite stehen die Worte: "sepulchrum sct. Walburgis" und die Jahreszahl 1484. Zu ihren Füßen das angelsächsische Familienwappen, drei springende Leoparden. 
   
3. Wunibaldsgrab
Unmittelbar unter der Vierung liegt das Grabmal des ersten Abtes von Heidenheim Wunibald (701-761). Er gründete hier 752 das Männerkloster. Die lateinische Inschrift am Rande der Grabplatte erzählt seine Herkunft aus englischem Königshause und von der Gründung des Benediktinerklosters Heidenheim.
   
4. Gotischer Chor
Das Jahr des Baubeginns ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Die endgültige bauliche Fertigstellung erfolgte 1484. Der schöne, steinerne Hochaltar stammt ebenfalls aus dieser Zeit, das Kruzifix ist neu (1952) ebenso Zwischenaltar (Kleiner Altar) und Kanzel.
   
5. Epitaph des Klosterverwalters Dr. Joh. Paul Jung
(Gest. 1697), ein großes, gemaltes Grabmal mit reichem Barockrahmen. Der Mittelteil stellt den Traum Jakobs mit der Himmelsleiter in Bethel dar.   
 
6. Grabmal der Äbte Eberhard und Peter
Eine sicher sich nicht oft wiederholende Darstellung, bei der zwei aufeinander folgende Äbte, nämlich Eberhard Mullinger (Gest. 1482) und Peter Hagen (Gest. 1500), gleichzeitig vor Maria mit gekreuzigten Heiland anbetend niederknien.

7. Vestenberg-Epitaph
Der baufreudigste Heidenheimer Abt, Wilhelm (Gest. 1440); er war körperlich etwas verwachsen, ist wahrscheinlich in natürlicher Körpergröße dargestellt. Unter ihm erreichte das Kloster Heidenheim seine größte Bedeutung.
   
8. Grabtafeln von Klosterverwaltern
Verschiedenartige barocke Grabsteine von Klosterverwaltern des 17. Jahrhunderts und deren Ehefrauen.
   
9. Epitaph des Abtes Konrad (Gest. 1372)
Eine hohe, eindrucksvolle Gestalt in schlichtem Benediktinerordensgewand. In den Händen hält er den Krummstab und ein Meßbuch (oder die Ordensregel).
   
10. Grabstein des Ulrich von Truhendingen
und seiner Gemahlin Imagina von Oettingen, Schirmvogt des Klosters Heidenheim (um 1310).

11. Grabstein des Wiricho von Treuchtlingen
mit seiner Gemahlin Agnes von Muhr (Gest. 1249) ebenfalls Schirmvogt des Klosters.
   
12. Vorhalle (Baptisterium; Taufraum)
mit Kreuzigungsgruppe (1460), Wappentafel des letzten Heidenheimer Abtes Christoph Mundscheller (um 1520), Kapitelle (Säulen-Kopfstücke) aus früheren Klosterbauten (13. Jahrhundert) und ein altes Tympanon (Handpauke, Bogenfeld eines Portals). 
   
13. Kreuzgang und Münster heute
Seit einer Reihe von Jahren konnten neue historische Daten und Kenntnisse über die Abtei Heidenheim gesammelt werden. Die vielseitigen Renovierungsarbeiten, die im Herbst 1965 mit der Tieferlegung des Kreuzganges begannen, erstreckten sich über mehrere Jahre.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Dekanats Heidenheim

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