Markgräfliches Gunzenhausen

Zweifelsohne zählt die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einer der Blütezeiten Gunzenhausens. Denn genau zwischen 1730 bis 1757 war unsere Altmühlstadt Dreh- und Angelpunkt im Fürstentum Brandenburg-Ansbach.

Markgraf Carl Wilhelm Friedrich (1712-1757), von der Nachwelt als 'Wilder Markgraf bezeichnet, hielt sich aufgrund günstiger örtlicher Jagdverhältnisse gerne hier auf. Über 150 Brücken und Stege ermöglichten ihm und seiner Hofgesellschaft ein schnelles Überqueren von Altmühl und Gräben; die Voraussetzungen für seine großer Leidenschaft, die Falkenjagd, waren also ideal. Als absolutistischer Landesherr verfügte er nämlich über ein 51 Mann umfassendes Falknereikorps, das größte seiner Art welches ein deutscher Reichsfürst je unterhielt. Bezeichnenderweise beauftragte der Markgraf einen Rektor der Gunzenhäuser Lateinschule damit, die vom hohenstaufischen Kaiser Friedrich II. im Mittelalter verfasste Monographie 'De arte venandi cum avibus' ('Die Kunst mit Vögeln zu jagen') ins Deutsche zu übersetzen.

Darüber hinaus hatte er, in unglücklicher Ehe mit Prinzessin Friederike Luise von Preußen, Schwester König Friedrichs des Großen lebend, sein persönliches Glück in der Beziehung zu der aus einfachen Verhältnissen stammenden Elisabeth Wünsch gefunden und sie sowie die gemeinsamen Kinder in den benachbarten Schlössern Georgenthal bzw. Wald etabliert. Mit großer Zuneigung hing er an seiner Familie 'zur linken Hand' und bewirkte deren Erhebung als Freiherren und Freiinnen von Falkenhausen in den Adelsstand.

In seinem geliebten Gunzenhausen endete schließlich auch der Lebensweg von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, als er am 3. August 1757 im hiesigen fürstlichen Oberamtshof nach kurzer schwerer Erkrankung verschied.

Für die häufigen, meist langandauernden Aufenthalte des Markgrafen, der sich zumeist von Teilen seines Hofstaates begleiten ließ, war im Laufe der Zeit die Errichtung verschiedener Gebäude erforderlich. Den Charakter einer Nebenresidenz - Gunzenhausens vollzog sich letztendlich auch durch diese architektonischen Maßnahmen.
Neben Ausbau des markgräflichen Oberamtshofes (heute Rathaus), ließ sich der Fürst 1753 vor den Toren der Stadt an der Oettinger Straße gelegen, ein ansehnliches Jagdschloß, 'Falkenlust' genannt durch den bekannten Baumeister Johann David Steingruber errichten. Noch kurz vor seinem Tode wurde ein Saal mit Fayencefliesen ausgestattet, welche in Manganmalerei reizvolle Motive aus der Falkenjagd zeigen.

Diese in Deutschland nahezu einzigartigen Kunsthandwerkserzeugnisse sind heute im städtischen Museum ausgestellt. Das Schlößchen selbst fiel bedauerlicherweise dem Abbruch anheim, da Carl Wilhelm Friedrichs Nachfolger keine Verwendung dafür fand.

Ein in Teilen noch bestehendes Bauwerk dieser Zeit, ist der herrschaftliche Hofgarten (heutiges 'Haus des Gastes', Dr.-Martin-Luther-Platz). Auf weitläufigem Arreal entstanden hier Gartenhäuser, idyllisch angelegte Wege, Blumenrabatte, Reitbahn u.a.m. In unmittelbarer Nachbarschaft ist das Museum in einem ehemaligen Adelspalais untergebracht. Als 'Gesandtenhaus' nutzte es die markgräfliche Regierung für durchreisende hochrangige Persönlichkeiten, die nach Gunzenhausen kamen um politische Gespräche zu führen oder dem Markgrafen einen Besuch abzustatten.

Auch ein herrschaftliches Kommödienhaus mit Bühnenwerk und Logen kam hier zur Ausführung, doch überlebte es wie andere Gebäulichkeiten aus der Markgrafenzeit, z.B. Fasanengarten, Milanen-oder Reiherhaus nicht die folgenden Jahrhunderte. Bei einem Rundgang durch Gunzenhausen lassen sich jedoch darüber hinaus einige barocke Bürgerhäuser entdecken, deren Bau letztendlich vom Markgrafen finanziell ermöglicht wurde.

Als herausragende Beispiele seien hier nur die Anwesen Marktplatz 42 (Stadtvogtei) und Marktplatz 49 (Palais Heydenab) erwähnt, welche beide durch den bereits genannten Baumeister Johann David Steingruber geplant wurden.

Text: Werner Mühlhäußer, Stadtarchiv Gunzenhausen

Teilen: