Stadtmuseum Gunzenhausen

In einem ehemaligen Adelspalais, 1706 erbaut durch den bekannten markgräflichen Baumeister v. Zocha, befindet sich seit 1984 das Stadtmuseum Gunzenhausen.
Hier wird auf vier Etagen in 20 Räumen ein umfangreicher und interessanter Ausschnitt der über 1175jährigen Geschichte Gunzenhausens präsentiert.
Beeindruckende Exponate aus Kunst und Handwerk dokumentieren Leben und Arbeiten der Bürger und Bauern vergangener Jahrhunderte.

Erdgeschoß:
Raum 1 "Stadtgeschichte"

Im ersten Raum des Rundgangs präsentiert sich die Altmühlstadt mit einigen ausgesuchten Dokumenten ihrer langen Geschichte.
Faksimilie-Drucke der bedeutendsten Urkunden, die älteste und noch dazu farbige Ansicht der Stadt, die ersten gedruckten Stadtpläne, die Stadtfahne und ein Maßbecher aus dem frühen 19. Jahrhundert, als Gunzenhausen bayerisch wurde, füllen den Raum, ohne daß er deshalb füllig wirkt.
1.1 Kaiserurkunde von 823
1.2 Stadtansicht aus dem Jahre 1893
1.3 Firlinger Epitaph von 1690
1.4 Simon Marius - Die Welt des Jupiter

Raum 2 "Gesetz und Ordnung"
In diesem Raum wird die Geschichte der stolzen Bürgerstadt Gunzenhausen unmittelbar lebendig. Der Militärverein und die Feuerwehr künden von einer entschlossenen Wehrhaftigkeit nach innen - in Zeiten, als es noch nicht so friedlich zuging wie heute.
Anschaulich wird auch die drastische Bestrafung der Übeltäter, denen es nicht erspart blieb, an den Pranger gestellt zu werden.
2.1 "Mit Gott für König und Vaterland!"
2.2 Hals"geige" und Handfesseln
2.3 Feuerlöschwagen von 1840

1.Obersgeschoß:
Raum 3: Kunsthandwerk des 17. bis 19. Jahrhunderts

In diesem Raum des ersten Obergeschosses bezeugen ein vornehm wirkender Schrank sowie zahlreiche Porzellan-, Zinn- und Glaswaren die Kunstfertigkeit des Handwerks im Gunzenhäuser Land.
3.1 Schrank aus dem 17. Jahrhundert
3.2 Gunzenhäuser Krug aus der Werkstatt Himsolt

Raum 4: Fayencen aus dem Jagdschloß
Dieser Raum birgt den wertvollsten Schatz des Gunzenhäuser Museums. Ausgestellt sind neben diversem Jagdzubehör 115 Original-Fayencekacheln des „Hochfürstlichen Falckenhauses”, wie der markgräfliche Bau nach seiner Erbauung im Jahre 1749 genannt wurde. Sie sind lebendiger Ausdruck einer schier grenzenlosen Jagdleidenschaft des Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich, der Gunzenhausen ob seiner nahen Jagdgründe in den Auen der Altmühl zu seinem Lieblingsaufenthaltsort erkoren hatte.
Nach dem Umbau des Schlosses zum „Haus des Gastes” waren die wertvollen Einzelstücke ins Museum verbracht worden, wo sie heute in einem eigenen Raum eine späte Würdigung erfahren. Ursprünglich handelte es sich um 438 Fliesen, die zwei Räume des Jagdschlosses zierten.

Raum 5: Barockes aus Gunzenhausen
Zimmer im barocken Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet. Mit vornehmer Zurückhaltung beobachtet der zum Ordensritter geschlagene Oberamtmann Teuffel von Pirkensee die Szene.
Von besonderem Wert ist die historische Wanderverkleidung auf der linken Seite des Raums.
5.1 Oberamtmann Teuffel von Pirkensee
5.2 Historische Wandverkleidung

Raum 6: Wohnen im 19. Jahrhundert
So als wolle der Schullehrer Johann Jakob Bühringer nachträglich seine Misere anprangern: ausgerechnet in der Umgebung kostbarer Einrichtungsgegenstände hängt das Portrait des Oberlehrers Bühringer, der wegen der beengten Wohn- und Arbeitsverhältnisse in seinem vom Einsturz bedrohten Schulhaus am Kirchenplatz immer verbitterter wurde.
6.1 Johann Jakob Bühringer
6.2 Eine Ständerwiege aus dem 19. Jahrhundert
6.3 Französische Tischuhr
6.4 Ein Prunkstück aus der Werkstatt des Uhrmachers Walther

Raum 7: Kunsthandwerk aus dem 19. und 20. Jahrhundert
Bunt gemischt präsentiert sich die Austattung dieses Raumes mit kunsthandwerklichen Exponaten des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Als “Schmankerl” gelten die umfangreiche Sammlung bemalter Bierkrugdeckel und das Modell eines Klassenzimmers der Jahrhundertwende.
Doch auch die zahlreichen Einzelstücke, darunter kunstvoll gefertigte Puppen, haben es in sich. Für die Stadtgeschichte von besonderer Bedeutung ist ein Lehrbuch des berühmten Schulreformators Dr. Heinrich Stephani aus Gunzenhausen.
7.1 „Erst zahl’n, nachher kannst a Bier ham”!
7.2 Treueschwur eines „Herzchens”...
7.3 Puppe aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
7.4 Lehrbuch von Dr. Heinrich Stephani

2. Obergeschoß:
Raum 8: Christliche und jüdische Kultgegenstände

In diesem Raum mischen sich die verschiedenen Religionen und Konfessionen friedlich zu einem kunstgeschichtlichen Ensemble. Eine eigene Vitrine ist jüdischen Kultgegenständen gewidmet.
Hier befindet sich ein achtarmiger Leuchter, der weniger verbreitet war als die Menora, sein siebenarmiges, weitaus berühmteres Pendant. Aus der Kapelle von Filchenhard stammt die dekorative Muttergottesfigur mit Jesuskind, und das Epitaph für den 1542 geborenen Lenhart Wolff zählt zu den Kostbarkeiten des Gunzenhäuser Museums.
8.1 Achtarmiger Chanukka-Leuchter
8.2 Wolff-Epitaph von 1629
8.3 Madonna von Filchenhard
8.4 Das Toraschild der Familie Dottenheimer

Raum 9: Zünfte und Innungen von Gunzenhausen

Das Gunzenhäuser Handwerk zeigt hier seinen ganzen Stolz! Über Jahrhunderte hinweg benutzte und bewahrte man die Zunfttruhen, Zunftfahnen, Zunftschilder und Zunftbücher. Das örtliche Gewerbe organisierte sich bereits im Mittelalter in den Zünften. Meister, Gesellen und Lehrlinge eines Handwerks übten ihre Gewerbe gemeinsam aus und regelten ihre wirtschaftlichen Verhältnisse im Kollektiv. Strikt wandte man sich gegen den Zuzug ortsfremder Gewerbetreibender.
Im gleichen Maße, wie sich die Stadt Gunzenhausen zu einer funktionsfähigen und starken Kommune entwickelte, entfaltete sich auch das Gunzenhäuser Zunftwesen. Die Bäckerzunft war vor allem in Notzeiten gefordert, und davon gab es auch in der Altmühlstadt zahlreiche. Mit der Einführung der Gewerbefreiheit zu Beginn des 19. Jahrhunderts endete das Zunftwesen.
9.1 Zunfttruhe des Bäckerhandwerks
9.2 Zunftschild aus dem 18. Jahrhundert

Raum 10: Lederverarbeitung in Gunzenhausen
Gerber, Kürschner und Buchbinder betrieben in Gunzenhausen ansehnliche Betriebe. Das Rotgerberhaus an der Altmühl (Umbau zur Jugendherberge) und die „Gerber“straße bezeugen noch heute die besondere Bedeutung dieses Gewerbes. Verarbeitet wurden Felle und Leder.
So ist in diesem Raum u.a. eine imposante Fellpresse zu bestaunen. Das Firmenschild “Karl Beck Kürschner” dürfte einst der ganze Stolz des Betriebsinhabers gewesen sein.
10.1 Fellpresse aus dem frühen 20. Jahrhundert
10.2 Ladenschild der Kürschnerei Beck

Raum 11: Gunzenhäuser Handwerk
Textilien, Holzhandwerk, Druckerei und Schmiedehandwerk sind die Themen dieser handwerksgeschichtlichen Ausstellung. Auf einer Schautafel wird der Herstellungsprozeß vom Flachs zum Leinen dargestellt.
Ein Spinnrad mit Rocken, eine handbetriebene Mangel und andere Utensilien der Wäschepflege geben den Stand der Textilverarbeitung im 18. und 19. Jahrhundert wieder. Allein drei Färbereien waren im Jahre 1744 in Gunzenhausen ansässig.
Eine beeindruckende Drechslerbank mit feinsäuberlich aufgereihtem Werkzeug, zwei Druckmaschinen und ein Setzkasten zählen zu den besonderen Exponaten dieser Ausstellung zum Gunzenhäuser Handwerk.
11.1 Spinnrad und Rockenständer aus dem 19. Jahrhundert
11.2 Drechslerbank
11.3 Setzkasten

Raum 12: Alchimistenküche des "Goldmachers von Gunzenhausen"
Neben den Fayencekacheln aus dem markgräflichen Jagdschloß zählt die Alchimistenküche des Heilpraktikers Johann Reichardt (1896 - 1974) zum Originellsten dessen, was Gunzenhausen heute den Besuchern seines Museums präsentieren kann.

3. Obergeschoß:
Raum 13: Wohnen in Stadt und Land

In diesem Raum wurde Mobiliar aus dem 19. Jahrhundert zusammengestellt, wie es auch in dem einen oder anderen Gunzenhäuser Haushalt Verwendung gefunden haben dürfte.
13.1 Stufenofen aus Gunzenhausen
13.2 Gunzenhäuser Büffet

Raum 14: Hafnergeschirr aus dem altmühlfränkischen Raum
Das mittlere Altmühltal war und ist durch seine hervorragenden Keramikwaren bekannt. Allein in Gunzenhausen bieten heute drei Töpfereien ihre Waren rund um den Färberturm an. Ausgestellt sind in diesem Raum zahlreiche Einzelstücke formschönen und buntemalten Gebrauchsgeschirrs aus dem 19. Jahrhundert.
Treuchtlingen, Wettelsheim, Markt Berolzheim und Gunzenhausen bildeten die Zentren des Hafnerhandwerks.
14.1 Bierkrug aus dem 19.Jahrhundert
14.2 Stelljes-Teller

Raum 15: Gunzenhäuser Trachten und Möbel
Eine vollständig eingerichtete Schlafkammer mit Himmelbett, Schrank und Wiege aus Heidenheim im Hahnenkamm sowie Trachten und -zubehör aus dem Gunzenhäuser Land schmücken diesen Raum.
Man bekommt unwillkürlich den Eindruck, daß sich jeden Augenblick die Zimmertüre öffnet und die wohlhabende Bauersfamilie erscheint, um sich nach einem anstrengenden Arbeitstag zur verdienten Nachtruhe zu begeben.
15.1 Bänderhaube aus dem 19. Jahrhundert
15.2 Altmühlfränkische Radhaube
15.3 Himmelbett aus dem Jahre 1843
15.4 Wiege aus dem frühen 19. Jahrhundert

Raum 16: Rauchküche aus dem 18. Jahrhundert
Mit Geschick und Gespür wurde in diesem kleinen Raum eine anheimelnd anmutende Rauchküche eingerichtet.

Raum 17: Schränke, Truhen und Zubehör
Die beiden kunstvoll bemalten Schränke beherrschen diesen Raum, der neben der Truhe auch eine wertvolle Schmuck-kommode sowie eine sehenswerte Sammlung von alten Türschlößern, -schlüsseln und -bändern aufweist.
17.1 Truhe aus dem Jahre 1821
17.2 Schmuck-Kommode aus dem 18. Jahrhundert

Raum 18: Verschiedenes

Auch wenn man den Eindruck gewinnt, hier würden sich all die Gegenstände versammeln, die in keinem der anderen Räume mehr untergebracht werden konnten (Gerät, Korbwaren etc.), so überraschen hier doch die beiden bemalten Fensterläden, die uns ein typisches Bauernpaar aus dem Altmühltal des 18. Jahrhunderts zeigen.

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