Stadtgeschichte Gunzenhausen - Überblick

Bereits in vorgeschichtlicher Zeit war der Stadtbereich Gunzenhausens bevorzugtes Siedlungsgebiet, was zahlreiche Ausgrabungsfunde beweisen. Die Römer errichteten hier an der nördlichsten Seite des raetischen Limes ein Kastell und kontrollierten von dort aus bis zu ihrer Vertreibung durch einfallende Alemannen um 240 n. Chr. das Umland.

Erster schriftlicher Hinweis auf Gunzenhausen liefert eine Urkunde aus dem Jahr 823, mit der Kaiser Ludwig der Fromme das Kloster Gunzinhusir dem Reichskloster Ellwangen übereignete. Die Ellwanger Äbte belehnten im Mittelalter zunächst die Adelsfamilien der Truhendinger und Oettinger mit Gunzenhausen; 1349 ging die Herrschaft schließlich an Burkhard von Seckendorff über, der auch die heute noch bestehende Hospitalstiftung begründete. Eine erste Blütezeit erlebte die Stadt ab 1368, als sie in den Besitz der Hohenzollern kam. Sowohl die Erlaubnis zur Abhaltung von Jahrmärkten, als auch der Bau von Stadtmauer, Toren und Türmen sowie der imposanten Stadtkirche datieren aus den ersten Jahrzehnten ihrer Herrschaft.

Von den berühmten Söhnen der Stadt seien hier nur der Astronom und Entdecker der Jupitermonde Simon Marius sowie Andreas Osiander, Reformator und Mitstreiter Martin Luthers genannt. Nach den verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges 1618-1648, der besonders Franken und auch Gunzenhausen stark zusetzte, waren die anschließenden Jahre geprägt vom Wiederaufbau, unterstützt durch zugewanderte österreichische Glaubensflüchtlinge sowie der hiesigen jüdischen Kultusgemeinde.

Bedingt durch die günstige Entwicklung, kam Gunzenhausen zu Beginn des 18. Jahrhunderts sogar kurzzeitig als Universitätssitz in Betracht. Diesbezügliche Planungen der Landesherren zerschlugen sich jedoch, aber die wirtschaftliche und soziale Position Gunzenhausens im Fürstentum Brandenburg-Ansbach war bereits soweit vorangeschritten, daß sich Markgraf Carl Wilhelm Friedrich dazu entschloß, hier über mehrere Jahrzehnte hinweg seinen bevorzugten Aufenthalt zu nehmen. Von dieser Ära als Nebenresidenz zeugen heute noch einige, zum Teil durch den bekannten Baumeister Johann David Steingruber ausgeführte Barockgebäude oder beispielsweise auch der Markgräfliche Hofgarten (heute Haus des Gastes).

Im Königreich Bayern fungierte Gunzenhausen weiterhin als Verwaltungszentrale mit Sitz verschiedener Ämter und Behörden. Handwerk und Wirtschaft, insbesondere Gerbereien und Färbereien hatten weit über die Stadtgrenzen hinaus einen guten Ruf, was durch den Bau der Eisenbahn verstärkt wurde. Der Ansiedlung des Eisenwerkes Loos im Jahr 1917, heute einer der bedeutendsten Hersteller von Dampf- und Heißwasserkesseln, folgten später weitere wichtige Betriebe, beispielsweise der ALCATEL-SEL, DAM (Deutsche Angelgeräte Manufaktur), Pressmeltall Galsterer (Stahlformenbau) oder dem Städtereinigungsunternehmen Ernst.

Die Bevölkerung Gunzenhausens stieg nach Ende des Zweiten Weltkrieges durch Ansiedlung von Flüchtlingen und Vertriebenen erheblich an. Weiteren Zuwachs brachte die 1971 bis 1978 erfolgte Eingliederung von 14 Gemeinden. Heute ist die Stadt mit ca. 17.000 Einwohnern das Tor zum Fränkischen Seenland (Altmühlsee, Brombachsee) und Fremdenverkehrszentrum mit umfangreichen Freizeitangeboten.

Im infrastrukturellen Bereich verfügt Gunzenhausen über alle erforderlichen Einrichtungen, z.B. neuerschlossene attraktive Wohngebiete und Gewerbeflächen, Kindergärten, Grund-, Haupt-, Berufs- und Wirtschaftsschule, Gymnasien, Jugendzentrum, Krankenhaus, Alten- und Pflegeheim; ergänzt durch ein vielseitiges Kulturspektrum mit Heimatmuseum, Archäologisches Museum, Stadtbücherei, Volkshochschule, einem abwechslungsreichen Theater- und Konzertprogramm in Stadthalle und Haus des Gastes oder durch Aktivitäten der vielen örtlichen Vereine.

Quelle:
Stadtarchiv Gunzenhausen, Werner Mühlhäußer

Teilen: