Kastell Ellingen - Sablonetum

Rekonstruktion

Das Kastell Ellingen - Sablonetum - liegt auf der Hochfläche östlich von Ellingen, 1,8 Kilometer vom Limes und 4 Kilometer vom großen militärischen Stützpunkt Weißenburg - Biriciana - entfernt. Bei den Grabungen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Außenstelle Nürnberg, in Zusammenarbeit mit der Flurbereinigung, die von 1980 bis 1982 dauerten, konnte der Grundriß des Militärlagers nach den vorgefundenen Fundamentresten exakt festgestellt werden. Auf eine ältere Bauphase, die durch eine Umwehrung aus Holz gekennzeichnet war, folgte eine jüngere mit Steinmauer. Entstanden dürfte die Anlage schon in der frühen Regierungszeit Kaiser Hadrians (117 bis 138 n. Chr.) sein, erneuert um 182 n. Chr. und endgültig zerstört in den Alamannenkriegen nach 229 n. Chr. Über die Reparaturarbeiten an Mauern und Toren gibt das wohl bemerkenswerteste Fundstück der Grabungen, eine Inschriftentafel aus dem Jahr 182 n. Chr., Auskunft. Sie verrät uns auch den alten Namen der Garnison - Kastellum Sablonetum - was mit "Lager am Sand" übersetzt werden kann.

Die Soldaten - Angehörige von Hilfstruppen aus allen Teilen des römischen Reiches - wohnten in einer großen barackenartigen Kaserne. Sogar ihre Ernährung ist anhand von Füllmaterialien aus Brunnen und Abfallgruben zu rekonstruieren. Weinbergschnecken scheinen hierzu ebenso dazugehört zu haben wie Feigen, die aus dem fernen Mittelmeerraum herangeschafft wurden.

Man weiß auch, daß selbst in diesem relativ kleinen und seinerzeit unbedeutenden Lager Waffen und Geräte in eigenen Werkstätten hergestellt oder instandgesetzt werden konnten.

Die Familien der Soldaten - Hilfstruppen, die aus allen Gegenden des römischen Imperiums stammten - lebten in den bescheidenen Häuschen des Lagerdorfes (vicus) östlich vom Kastell. Eine kleine Handelsniederlassung und vielleicht noch eine Schenke könnte man sich in diesem Gemeinwesen im unmittelbaren Hinterland des Limes vorstellen.

Die ausstellungsfähigen Funde sind im Römermuseum in Weißenburg zu besichtigen. An Ort und Stelle östlich von Ellingen hat man die Nordfront des Kastells im Rahmen der Flurbereinigung bereits 1982 als Freilichtanlage restauriert. Es stellt kein künstliches Bauwerk mit vielen archäologischen und architektonischen Einzelheiten dar, sondern es wurde der Zustand wiederhergestellt, der dem Beobachter den visionären Eindruck einer verfallenen römischen Festung vermittelt. Als Aussichtspunkt dient dabei der nordwestliche Turm, der samt Erdrampe (Wehrgang) einige Meter hochgezogen wurde.

Das Kastell von ungefähr 88 x 80 Metern Ausdehnung war in seinem letzten Bauzustand mit einer Mauer bewehrt. Türme standen in den abgerundeten Ecken und beiderseits der Tore an der Nord- und Südfront. Ein Spitzgraben von durchschnittlich 5 bis 6 Meter Breite und 2 Meter Tiefe umgab die Mauer. Als Wehrgang diente eine aufgeschüttete Erdrampe, die gleichzeitig die nicht sonderlich massive Wehrmauer abstützte. Östlich des Südtores mit seinen vorspringenden Türmen war die Mauer stärker gebaut und der Wehrgang auf Pfosten gesetzt.

Vor der Südfront fällt der verhältnismäßig breite Zwischenraum, die sogenannte "Berme", zwischen Mauer und Graben auf. Rechtwinklig angelegte Straßen mit Schotterbelag umfaßten und unterteilten die Innenfläche des Lagers. Die vom Nord- zum Südtor führende Straße ist durch ein zentrales Bauwerk unterbrochen. Hierbei handelt es sich um die schlichte Kommandantur (principia) des Kastells. Ein großer Teil der östlichen Lagerhälfte wurde von einem großen Gebäude in Fachwerkbauweise eingenommen, in dem die Mannschaften untergebracht waren. Die Besatzung - die römische Truppeneinheit eines Numerus - bestand aus zwei Hundertschaften mit einer Stärke von jeweils 80 Soldaten, die in Stubengemeinschaften von acht Mann je zwei Räume dieser langen Kasernenbaracke bewohnten. Die beiden Bauten im Nordteil stellten vermutlich Werkstätten (fabricae) und Unterkünfte dar. Die massiv gemauerten Fundamente westlich der Kommandantur gehörten offensichtlich zu einem Getreidespeicher (horreum). Vielleicht um ein Lazarett (veletudinarium) handelte es sich bei dem Gebäude im südwestlichen Lagerviertel. Aus mindestens fünf oder sechs Brunnen konnte genügend Wasser gewonnen werden.

Übersetzung der Inschrift aus dem Jahr 182 n. Chr.:
"Dem Imperator Cäsar Marcus Aurelius Commodus Antoninus Augustus, Germanenbesieger, allergrößter Sarmatenbesieger, mit tribunizischer Gewalt, Konsul zum 3. Mal, Vater des Vaterlandes, wurden vom Kastellum Sablonetum die Mauer mit den Toren durch Steine ersetzt auf Anordnung des Quintus Spicius Cerialis, des kaiserlichen Legaten mit proprätorischer Gewalt (=des rätischen Statthalters), unter dem Konsulat des Mamertinus und Rufus durch Singulares Pedites, unter der Leitung des Aurelius Argivus, Zenturios der 3. Italienischen Legion."

Die Sandsteinplatte mit Bauinschrift war ursprünglich außen am Südtor befestigt. Die ersten zweieinhalb Zeilen enthalten die Widmung an den Kaiser Commodus (180 bis 192 n. Chr.) - der Name des Kaisers wurde wohl auf Anordnung seines Nachfolgers Pertinax ausgemeißelt - sodann folgen der Kastellname SABLONETUM und die Nennung der Ausbesserungsarbeiten, ausgeführt auf Befehl des Provinzstatthalters und Kommandanten der 3. Italienischen Legion Q. Spicius Cerialis durch dessen Infanterie-Leibgarde unter Aufsicht des Zenturio Aurelius Argivus während der Regierungszeit der Konsuln Mamertinus und Rufus (182 n. Chr.).

Bei den Singulares Pedites handelt es sich um die infanteristische Garde des Provinzstatthalters. Diese aus den Hilfstruppen, nicht der Legion, einzeln ausgewählten und auf begrenzte Zeit in die Hauptstadt (Augsburg) abgestellten Elitesoldaten waren in Friedenszeiten normalerweise mit Wach- und Repräsentationsaufgaben im Umkreis des Statthaltersitzes befaßt.

In der Schlacht kämpften sie in der unmittelbaren Umgebung ihres Legaten als dessen persönliche Schutztruppe.

Text aus: Auf den Spuren der Römer im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

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