Die Hornsteingruft in Ellingen

Die Hornsteingruft in Ellingen

Ellinger Geschichtsprominenz - Landkomtur Carl Heinrich Freiherr von Hornstein

Im Glassarg in der Gruft unterhalb der Ellinger Mariahilfkapelle liegt der Landkomtur Carl Heinrich Freiherr von Hornstein, geboren 1668, als neuntes von 16 Kindern seiner leiblichen Mutter.
Er ist etwa im Alter von 14 Jahren als Page des Hochmeisters Ludwig Anton von Pfalz Neuburg mit dem Orden in Berührung gekommen. Ein Ordensritter musste vor der Aufnahme in den Orden mindestens drei Kriegseinsätze hinter sich gebracht haben. Wir gehen davon aus, dass der spätere Landkomtur mit dem Hofstaat des Hochmeisters dreimal an Türkenfeldzügen in Ungarn beteiligt war, da er bei seiner Aufnahme in den Deutschen Orden erst den Dienstgrad eines Fahnenjunkers hatte, der militärisch in Ulm stationiert war. Seinen Militärdienst quittierte er als Hauptmann des Dragoner-Kreisregiments Aufseß. Er wurde Komtur auf der Kapfenburg und in Heilbronn sowie später auf der Burg Horneck bei Mergentheim, wo er als Marschkommissar aus dem Spanischen Erbfolgekrieg dokumentiert ist. Er hat böse Briefe über die niedrige Durchzugsgeschwindigkeit der Preußen durch Deutschordensgebiete hinterlassen, die sich offensichtlich in dem gut versorgen Ordensgebiet erholt haben.
Später wurde er Regierungschef des Deutschen Ordens in Mergentheim und mit der Wahl des Hochmeisters Ludwig Franz von Pfalz Neuburg zum Kurfürst von Köln auch Finanzminister von Kur-Köln. 1716 wurde er Administrator der Ballei Franken nach dem Tod seines Vorgängers Forstmeister von Gelnhausen, 1718 dann Landkomtur der Ballei Franken.
Ihm ist die Barockisierung der gesamten Altstadt in Ellingen zu verdanken, mit dem Neubau von Schloss, Pfarrkirche, Maria Hilf Kapelle, Franziskanerkloster, Maxkirche und die Orangerien im Hofgarten südlich der Stadt.
Sein eigener Coadjutor, das heißt also ein Adjudant mit Nachfolgeberechtigung, der ihm seit 1730 zur Seite gestellt war - Graf Franz von Satzenhofen – ergänzte die barocke Kulisse noch um das Rathaus.
Von Hornstein war damals auf eigenen Wunsch einbalsamiert worden, fand aber nicht wirklich zur ewigen Ruhe. Die an seinem Todestag von Prozessionen besuchte Grabstätte wurde 1945 von Bomben getroffen, der unter Wasser stehende Leichnam des Landkomturs von zwei Töchtern des damaligen Mesners über Leinen zum Trocknen gelegt. Auch heute noch sitzt er gelegentlich - wenn auch selten im Freien, wird gereinigt und frisch gepudert, um gepflegt weiter in seinem Ellingen liegen zu können. Das von Forstmeister von Gelnhausen 1705 errichtete und 1708 eingeweihte Altersheim vor der Stadt wurde unter diesem Landkomtur ebenfalls erweitert und ausstuckiert. Die Fertigstellung und endgültige Erweiterung erfolgte dann später unter dem Landkomtur von Eyb. Sein Titel eines „wirklichen kaiserlichen Rates“ birgt ein Kapitel vergessener deutscher und bayerischer
Geschichte. Er und sein Coadjutor Graf von Satzenhofen haben ihn nämlich von Kaiser Karl VII. erhalten, der 1742 im österreichischen Erbfolgekrieg Maria Theresia die Deutsche Kaiserkrone streitig machte und sich von seinem Bruder, Hochmeister und Bischof von Mainz Clemens August in Frankfurt zum Kaiser krönen ließ.

(Autoren: Manfred Specht, Hermann Seis)

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